Mythos 1: Schlaf lässt sich nachholen
Wer unter der Woche zu wenig schläft und hofft, das am Wochenende wieder auszugleichen, liegt damit tatsächlich gar nicht so falsch. Eine Studie mit über 90.000 Teilnehmer:innen aus der britischen UK Biobank zeigte nämlich, dass Menschen, die am Wochenende besonders viel Schlaf nachholten, ein um rund 20 % geringeres Risiko für Herzerkrankungen hatten als jene, die das kaum machten.1
Bei Personen mit ausgeprägtem Schlafmangel unter der Woche war der Effekt noch deutlicher. Allerdings bedeutet das nicht, dass chronischer Schlafmangel grundsätzlich problemlos ist, denn dauerhaft zu wenig schlafen bleibt eine Belastung für den Körper. Somit kann Kompensationsschlaf zwar helfen, ein Ersatz für regelmäßigen, erholsamen Schlaf ist er aber nicht.1
Mythos 2: Jede:r braucht acht Stunden Schlaf
Man hört sie immer wieder, die magische Zahl von acht Stunden. Wie viel Schlaf Menschen brauchen, hängt jedoch stark vom Alter und von individuellen Faktoren ab. Kinder im Schulalter benötigen beispielsweise im Schnitt rund neun Stunden, Jugendliche etwa acht.
Mit zunehmendem Alter sinkt sogar das Schlafbedürfnis: 40-Jährige kommen im Durchschnitt mit etwa sieben Stunden aus, 55- bis 60-Jährige mit rund sechseinhalb, und gesunde 80-Jährige schlafen meist nur etwa sechs Stunden pro Nacht. Entscheidend ist also nicht die Stundenzahl allein, sondern ob man morgens erholt aufwacht und tagsüber leistungsfähig ist.2
Mythos 3: Schnarchen ist harmlos
Schnarchen gilt oft als lästige, aber letztlich harmlose Begleiterscheinung. Allerdings gibt es hier deutliche Unterschiede. Denn Schnarchen kann ein Zeichen für obstruktive Schlafapnoe sein – eine weit verbreitete Erkrankung, bei der die Atemwege im Schlaf wiederholt blockiert werden. Unbehandelt ist hier das Risiko für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes erhöht.3
Die Lautstärke des Schnarchens sagt aber wenig über den Schweregrad aus: Neuere Forschungen zeigen, dass lautes Schnarchen nicht zwingend auf schwere Schlafapnoe hinweist – im Gegenteil, die lautesten Phasen treten oft bei milderen Atemstörungen auf, während es bei vollständigen Atemaussetzern ruhiger werden kann.3
Mythos 4: COPD-Betroffene haben immer Schlafprobleme
Nicht alle Menschen mit COPD schlafen schlecht – aber Schlafstörungen sind bei der Erkrankung deutlich häufiger als in der Allgemeinbevölkerung. Laut einer Fachpublikation im European Respiratory Review leiden rund 75 % der COPD-Betroffenen unter nächtlichen Beschwerden. Häufig kommt es zu einem Abfall des Sauerstoffgehalts im Blut, der die Schlafqualität sowohl subjektiv als auch messbar beeinträchtigt.4
Hinzu kommt, dass bei COPD und gleichzeitig bestehender Schlafapnoe – dem sogenannten Overlap-Syndrom – die Belastung für Herz und Lunge besonders groß ist. Schlafprobleme bei COPD sind also ein ernstzunehmender Faktor, und sollten ärztlich abgeklärt werden.4
Mythos 5: Mittagsschlaf ist gesund
Die Wahrheit liegt, wie so oft, genau in der Mitte. Ein kurzer Powernap von bis zu 30 Minuten kann nämlich die kognitive Leistungsfähigkeit und das allgemeine Wohlbefinden spürbar verbessern. Schlafmediziner:innen empfehlen dafür das Zeitfenster zwischen 12 und 14 Uhr zu nutzen, da der Einschlafrhythmus des Körpers dann ohnehin einen natürlichen Tiefpunkt erreicht.5
Problematisch wird es jedoch bei längeren Nickerchen: Ab etwa 60 Minuten regelmäßigem Mittagsschlaf zeigen Studien Hinweise auf erhöhte kardiovaskuläre Risiken und eine höhere Gesamtsterblichkeit. Dabei gilt möglicherweise auch der Umkehrschluss: Menschen mit Vorerkrankungen neigen häufiger zu längeren Mittagsschläfchen.5