Wie gut unterstützt Sie Ihr Notfallspray dabei, während der Pollenzeit mit Ihrem Asthma zurechtzukommen?

Ich leide stärker und benütze den Spray nicht so häufig
17% (158 Stimmen)
Ich benütze den Notfallspray häufiger und er hilft mir sehr
50% (458 Stimmen)
Ich merke keine Veränderung
32% (291 Stimmen)
Anzahl aller Stimmen: 907

Risiko Kunststoff: Mikroplastik in der Lunge

01.09.2026

Mikroplastik – also winzige Kunststoffteilchen – sammeln sich in unseren Böden, Gewässern und sogar in der Luft an. Letzteres führt dazu, dass die Partikel Wege in unsere Lunge finden. Die Gesundheitsforschung beschäftigt sich nun mit den Folgen. Obwohl dabei noch einige Fragen offenbleiben, klären wir schon mal das, was wir jetzt wissen.

Was ist Mikroplastik?

Unter Mikroplastik fallen Plastikpartikel mit einem Durchmesser von unter fünf Millimetern. Sie entstehen beim Zerfall größerer Kunststoffteile, werden aber auch gezielt hergestellt. Problematisch ist, dass die Partikel so klein sind, dass sie die natürlichen Reinigungsmechanismen unserer Atemwege umgehen und sich tief im Lungengewebe – bis in die Lungenbläschen – ablagern können.1 Eine noch kleinere Variante ist übrigens Nanoplastik, das noch tiefer in biologisches Gewebe eindringen kann.2

Woher kommt Mikroplastik in der Luft?

Es gibt viele Ursprünge für die Belastung der Luft mit Mikroplastik. Synthetische Kleidung beispielsweise setzt beim Waschen Kunststofffasern frei, die über Wäschetrockner in die Raumluft gelangen. Auch der Abrieb von Autoreifen, Baustaub und der Zerfall von Kunststoffverpackungen tragen zur Belastung bei.

Innenräume können dabei höhere Konzentrationen aufweisen als die Außenluft – vor allem bei schlechter Belüftung und vielen Textilien oder Polstermöbeln. Ein zunehmend relevanter Faktor sind außerdem Waldbrände. Und auch wenn Häuser, Fahrzeuge oder Kunststoffgegenstände verbrennen, können große Mengen synthetischer Partikel in die Luft gelangen.3

Wie schadet es der Lunge?

Einmal in der Lunge abgelagert, können die Partikel eine Reihe biologischer Reaktionen auslösen. Forschende haben mehrere Mechanismen beschrieben, über die Mikroplastik Lungenschäden verursachen könnte:1

  • Oxidativer Stress durch aggressive Sauerstoffverbindungen
  • Entzündungsreaktionen im Lungengewebe
  • Störung des Lungenmikrobioms und damit geschwächte Immunabwehr
  • Beeinträchtigung des schützenden Lungensurfactants (kann die Lungenbläschen schädigen)
  • Verlangsamte Wundheilung durch gehemmte Zellvermehrung
  • Langfristig: Vernarbungen des Lungengewebes (Lungenfibrose)
  • Einschleusung zusätzlicher Schadstoffe wie Schwermetalle, die an den Partikeln haften

Mikroplastik kann als eine Art Transportmittel für weitere Schadstoffe dienen. Dabei können sich Krankheitserreger, Pestizide und Chemikalien an die Partikel hängen und so tief in den Körper gelangen.3 Zudem haben Studien gezeigt, dass Mikroplastik, wenn es die Lungenbläschen erreicht, dort möglicherweise den Gasaustausch beeinträchtigt. Gewebeanalysen haben gezeigt, dass sich sowohl Partikel als auch Fasern in der Lunge nachweisen lassen. Ihre Präsenz dort wurde mit einer schlechteren Lungenfunktion und Anzeichen von Entzündungen in Verbindung gebracht.3

Was kann langfristig passieren?

Weitere wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Mikroplastik an Prozessen beteiligt sein könnte, die bei der Entstehung und Entwicklung verschiedener Lungenerkrankungen eine Rolle spielen – darunter Asthma, COPD und Lungenfibrose, möglicherweise auch Lungenkrebs. Wie groß das tatsächliche Risiko ist, muss weiter untersucht werden.1,4

Forschende der MedUni Wien haben außerdem erstmals nachgewiesen, dass Mikroplastikpartikel in gesunden Lungenzellen Veränderungen auslösen können, die mit der Krebsentstehung in Verbindung gebracht werden. Auffällig war dabei, dass gesunde Zellen die Partikel stärker aufnahmen als bereits veränderte Krebszellen, und empfindlicher darauf reagierten. Gleichzeitig wurden in den gesunden Zellen auch Abwehrmechanismen aktiviert, was darauf hindeutet, dass sich die Zellen aktiv gegen den Stress durch die Plastikpartikel zur Wehr setzen.2

Sind Menschen mit Lungenerkrankungen besonders gefährdet?

Für Menschen, die bereits an Asthma, COPD oder anderen Atemwegserkrankungen leiden, ist die Frage nach Mikroplastik besonders relevant. Erste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Mikroplastik Prozesse beeinflussen könnte, die auch bei diesen Erkrankungen eine Rolle spielen.4

Was kann man selbst tun?

Mikroplastik vollständig zu vermeiden ist nahezu unmöglich. Die individuelle Belastung lässt sich jedoch reduzieren:3

  • Frischhaltefolie durch Alufolie ersetzen, Lebensmittel möglichst in Glas kaufen und aufbewahren
  • Synthetische Textilien in der Wohnung reduzieren
  • Tabakrauch meiden
  • Für gute Belüftung sorgen und Luftreiniger mit HEPA-Filter nutzen
  • Regelmäßig feucht wischen statt trockenem Staubwischen (das wirbelt die Partikel wieder auf)

Auch wenn es erste Alternativen wie biologisch abbaubare Kunststoffe gibt, mahnen einige Forschende hier zur Vorsicht, denn die Methoden zur Untersuchung ihrer Sicherheit sind noch nicht ausgereift.3

Einige Fragen bleiben offen

Generell steckt die Forschung zum Thema Mikroplastik in ihren Anfängen. Wie hoch eine gesundheitsschädliche Dosis tatsächlich ist, lässt sich derzeit nicht eindeutig sagen. Die gemessenen Konzentrationen in der Luft schwanken je nach Umgebung und Messmethode erheblich – von weniger als zehn bis über 1.500 Partikel pro Kubikmeter. Besonders die winzigsten Partikel, die am tiefsten in die Lunge eindringen können, sind derzeit noch schwer zu erfassen.4

Hinzu kommt, dass viele Laborstudien mit weit höheren Konzentrationen arbeiten, als sie in der Realität vorkommen. Das erschwert den direkten Vergleich mit tatsächlichen Belastungssituationen. Auch die Frage, wie sich verschiedene Partikelformen, -größen und Kunststoffarten in ihrer Wirkung unterscheiden, ist noch weitgehend ungeklärt.4

Eines steht jedoch fest: Mikroplastik ist bereits im Lungengewebe nachweisbar und damit keine abstrakte Zukunftsgefahr mehr. Wie groß das tatsächliche Risiko langfristig ist, müssen weitere Studien zeigen. Das Thema verdient jedenfalls die Aufmerksamkeit – gerade für Menschen, deren Lunge ohnehin stärker belastet ist.