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Long COVID besser verstehen

07.10.2026

Kann das Long COVID sein? Vielleicht haben Sie sich das auch schon einmal gefragt, wenn nach einer Infektion die Atemnot nicht besser wurde oder eine konstante Abgeschlagenheit das tägliche Leben beeinflusste. Um das Phänomen besser zu verstehen, lohnt sich zunächst ein Blick auf typische Symptome und Risikofaktoren.

Long COVID erschwert den Alltag

Als Long COVID, auch unter Post-Acute Sequelae of SARS-CoV-2 (PASC) bekannt, wird ein chronischer Zustand bezeichnet, der nach einer SARS-CoV-2-Infektion auftritt und mindestens drei Monate anhält. Das Beschwerdebild fällt unterschiedlich aus und Symptome können sich verbessern, verschlechtern oder dauerhaft bestehen bleiben.

Während sich die meisten Menschen nach einer COVID-19-Infektion innerhalb weniger Wochen erholen, entwickeln manche neue oder anhaltende Beschwerden. Die Symptome – von leicht bis stark – können über Wochen, Monate oder sogar Jahre auftreten, wieder verschwinden und erneut zurückkehren. Bei jeder erneuten Erkrankung besteht wieder das Risiko, Long COVID zu entwickeln und auch die Schwere der akuten Infektion kann einen Einfluss haben. Eine vorherige Impfung senkt dieses Risiko, schließt es aber bei einer Durchbruchsinfektion nicht vollständig aus.1,2,3

Weltweit über 14 Millionen Menschen betroffen

Auch wenn die Zahl der Neuerkrankungen im Vergleich zum Pandemiebeginn zurückgegangen ist, bleibt Long COVID damit also ein ernstes Gesundheitsthema, das sich auch in der Zahl der Betroffenen zeigt: Weltweit berichten bis zu 43 % der Personen mit nachgewiesener Infektion noch nach zwei bis drei Monaten von Symptomen, wobei die genaue Häufigkeit je nach Definition stark schwankt.

Eine Auswertung von Daten aus 2020–2021 zeigt zudem, dass weltweit über 14 Millionen Menschen mindestens ein zentrales Symptom noch drei Monate nach der Infektion aufwiesen – meist nach eher milden Verläufen. Auch Kinder können betroffen sein, teils sogar nach mildem oder symptomlosem Verlauf.1,3

Die Symptome: Von Brain Fog bis Atembeschwerden

Derzeit gibt es keinen spezifischen Test, mit dem sich Long COVID eindeutig nachweisen lässt. Betroffene berichten häufig von neuen, andauernden oder sich verschlimmernden Beschwerden lange nach der ursprünglichen Infektion. Anhaltende Beschwerden über mehrere Wochen sollten jedenfalls ärztlich abgeklärt werden. Von Long COVID spricht man nach der heute gebräuchlichen Definition bei Beschwerden, die mindestens drei Monate nach der Infektion bestehen.

Manche Beschwerden ähneln außerdem denen von myalgischer Enzephalomyelitis bzw. dem chronischen Fatigue-Syndrom (ME/CFS) und anderen komplexen chronischen Erkrankungen, die nach Infektionen auftreten können. Weil solche Symptome oft schwer einzuordnen sind, kann es im Gesundheitssystem zu Verzögerungen bei Diagnose und Behandlung kommen.1,2

Zu den häufigsten Symptomen zählen:2

  • Erschöpfung oder Müdigkeit, die den Alltag beeinträchtigt
  • "Brain Fog" (Konzentrations- und Denkschwierigkeiten)
  • Verschlechterung nach körperlicher oder geistiger Anstrengung ("post-exertional malaise")
  • Fieber
  • Atembeschwerden, Husten, Brustschmerzen, Herzrasen oder -klopfen
  • Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Schwindel beim Aufstehen, Kribbeln, Veränderungen von Geruchs- oder Geschmackssinn, Depressionen oder Angstzustände
  • Verdauungsbeschwerden wie Durchfall oder Bauchschmerzen
  • Gelenk- oder Muskelschmerzen, Hautausschlag, Veränderungen des Menstruationszyklus

Die schwierige Diagnose von Long COVID

Long COVID ist also keine einheitliche Erkrankung, und es gibt keinen spezifischen Labortest, mit dem sich die Diagnose eindeutig bestätigen lässt. Ärztinnen und Ärzte müssen auf die Krankengeschichte, eine frühere COVID-19-Diagnose (durch einen Test, anhand von Symptomen oder aufgrund einer möglichen Exposition) sowie eine körperliche Untersuchung zurückgreifen. Routineuntersuchungen wie Blutbild, Röntgen oder EKG können dabei unauffällig ausfallen. Wer den Verdacht auf Long COVID hat, sollte jedenfalls ärztlichen Rat aufsuchen, um einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen.1

Wie lange bleibt Long COVID?

Long-COVID-Symptome können drei Monate bis hin zu drei Jahre andauern, wobei die genaue Verlaufsdauer individuell stark variiert. Laut einer britischen Erhebung (Stand März 2024) lebten rund zwei Millionen Menschen in England und Schottland mit selbstberichtetem Long COVID. Davon hatten 87,3 % erstmals vor mindestens drei Monaten Symptome bemerkt und immerhin noch 30,6 % vor mindestens drei Jahren.4

Gibt es Behandlungen für Long COVID?

Eine Heilung gibt es derzeit nicht, die Erkrankung wird weiterhin erforscht. Es gibt jedoch verschiedene Behandlungsansätze, die Beschwerden lindern können. Betroffene werden meist von einem interdisziplinären Team betreut, um gemeinsam einen individuellen Therapieplan zu erstellen. Dieser kann unter anderem umfassen: 5

  • Beratung zum Umgang mit Erschöpfung
  • Physiotherapie bzw. Atem- oder Muskelübungen
  • Kognitive Verhaltenstherapie bei Angst, Depression oder Erschöpfung
  • Übungen zur Verbesserung des Gedächtnisses oder der Konzentration
  • Unterstützung bei Geruchsverlust
  • Ernährung bzw. Symptom-Tracking
  • Soziale Unterstützungsangebote je nach individuellem Bedarf

Prävention und Risikobewusstsein

Eine wichtige Maßnahme, um das Risiko zu verringern, ist, eine (erneute) COVID-19-Infektion möglichst zu vermeiden. Dazu zählt, den aktuellen Impfstatus zu halten, in Risikosituationen eine gut sitzende Maske zu tragen und für gute Luftzirkulation in Gruppen zu sorgen. Auch wer bereits an Long COVID erkrankt war, profitiert davon, eine erneute Ansteckung zu vermeiden. Bei Symptomen oder bekanntem Kontakt lohnt es sich, frühzeitig zu testen und im positiven Fall zeitnah ärztlichen Rat einzuholen.

Allgemein gilt: Da Long COVID häufiger nach schweren COVID-19-Verläufen auftritt, kann auch der Schutz vor einer schweren Infektion dazu beitragen, das Risiko zu verringern. Dazu zählen ein aktueller Impfschutz, gute Handhygiene, saubere Luft sowie das frühzeitige Ergreifen von Schutzmaßnahmen und ärztliche Abklärung bei Symptomen eines Atemwegsinfekts.1,2